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DIE PRESSE Wohnungen: Kühlen Kopf bewahren, auch unterm Dach

10 Jun 2008 Die Hitze der Stadt ist im Sommer brutal – das muss im Dachgeschoß aber nicht sein.
Dachgeschoßwohnungen sind nicht nur als Verkaufsobjekte „heiße Ware“. So manches schicke Domizil über den Dächern der Stadt heizt sich in den Sommermonaten regelrecht auf. Klimaanlagen gehören daher schon zur Standardausstattung neuer Projekte. Doch es wollen nicht alle Bewohner von Juni bis September mit den Nachteilen der Kühlgeräte leben. Gibt es bauliche Maßnahmen, um das Raumklima auf natürlichem Wege angenehm und kühl zu halten?
„Ein sehr diffiziles Thema“, sagt Architekt Martin Mittermair. Denn: „Wird bei Altbauten ein Dachgeschoß aufgesetzt, erlaubt die Bauordnung in der Regel nur eine Leichtbauweise.“ Das bedeutet wenig Speicherkapazität für die Gebäudehülle, um die Wärme aufzunehmen – es entsteht das sogenannte Barackenklima. Bei Neubauten hingegen wird meist bis zum obersten Geschoß massiv – mit Beton oder Ziegel – gebaut, die Objekte sind besser gedämmt.
Was bei der Planung von Dachwohnungen im Altbau beachtet werden sollte: Die größeren Fensteröffnungen sollten nach Süden gerichtet sein, denn hier steht die Sonne im Sommer hoch, es kommt zu relativ kurzer direkter Sonneneinstrahlung. „In Räume mit großen Fenstern gen Westen scheint die Sonne sehr flach und lange, sie können sich extrem aufheizen“, erklärt Mittermair. „Außerdem sollte eine Querlüftung möglich sein, um in der Nacht für Abkühlung zu sorgen.“

Fenster reflektieren Sonne
Bei den Fenster heißt es, tief in die Tasche zu greifen. Ohne außen liegendem Sonnenschutz geht es nicht, Innenjalousien halten nur einen Bruchteil der Wärme ab. Und beim Fensterglas gibt es bereits hochwertige Entwicklungen, die dank spezieller Beschichtungen die Sonneneinstrahlung reflektieren.
Eine ausreichende Dämmung – mehr als sie die Bauordnung vorschreibt – ist ein weiterer Punkt für ein angenehmes Raumklima. „Jedes Mehr an Dämmung ist meist kein Kostenproblem“, sagt Katharina Bayer von einszueins Architektur, „sondern ein Platzproblem. Bei Aufbauten wird oft um jeden Zentimeter mehr an Fläche gekämpft.“ Natürlich sind auch dunkle Verputze an den Außenmauern kontraproduktiv, weiß ist – wie auch bei Gebäuden in heißen Gegenden üblich – angesagt. Auch Lehm wird immer öfter als Wärmeregulator eingesetzt. „Teuer, aber gut sind Lehmstanzwände, die im Sommer und Winter für ein gutes Raumklima sorgen“, erklärt Bayer. Die kleinere Variante: Lehmputz, rund zwei Zentimeter stark, der Feuchtigkeit und Wärme bindet und in der Nacht wieder abgibt. Das gleiche Prinzip gilt bei Estrichen. „Scheint die Sonne durch Dachflächenfenster direkt auf den Boden, hilft es, beim Fußbodenausbau einen Estrich aufzubringen, da dieser ebenfalls Wärme aufnimmt“, so die Expertin.

Klimaanlage – zusätzliche Hilfe
Über eines sind sich die Spezialisten einig: Hat es draußen zwei Wochen lang 30 Grad oder mehr, helfen selbst die besten baulichen Maßnahmen nur mehr wenig – eine Klimaanlage ist für diese Spitzenzeiten nach wie vor das Mittel der Wahl. Die Entwicklungen aus dem Passivhaussektor hingegen finden in Dachgeschoßen bislang noch wenig Anklang. „Kontrollierte Wohnraumlüftungen verursachen ein enormes Platzproblem“, sagt Bayer, „da die Haustechnik sehr umfangreich ist.“
Maßnahmen, um auch im Nachhinein für kühlere Räume zu sorgen: „Außen liegender Sonnenschutz kann meist auch später angebracht werden“, berichtet Mittermair. „Es bringt auch viel, einfache Verglasungen gegen Sonnenschutzgläser auszutauschen.“
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06.06.2008 | 18:47 | RENATE HERZOG (Die Presse)
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